Das Ende einer Bier-Ikone: Bergbräu stellt Brauereibetrieb ein
Uslar/Allersheim. Innerhalb weniger Tage geraten gleich mehrere traditionsreiche Biermarken aus dem Weserbergland in wirtschaftliche Turbulenzen. Nachdem sowohl die Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei Westheim GmbH als auch die Brauerei Allersheim GmbH Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt haben, folgt nun die nächste Hiobsbotschaft: Die Brauerei Bergbräu in Uslar stellt ihren Brauereibetrieb ein und leitet die Liquidation des Unternehmens ein. Damit verliert die Region eine weitere Privatbrauerei – ein deutliches Zeichen für die schwierige Lage der deutschen Brauwirtschaft.
Die Geschäftsführung hat den Liquidationsprozess beim Handelsregister angemeldet. Bis zum 30. September 2026 soll noch produziert werden. Anschließend werden die vorhandenen Warenbestände direkt ab der Brauerei verkauft, solange der Vorrat reicht. Der Hofladen bleibt nach derzeitiger Planung noch bis zum 30. Oktober 2026 geöffnet.
„Diese Entscheidung ist uns außerordentlich schwergefallen“, erklärt die Geschäftsführung um den geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Andreas Papp. Über Jahrzehnte sei Bergbräu weit mehr gewesen als eine Brauerei. Das Unternehmen habe Generationen von Menschen begleitet, Erinnerungen geschaffen und sei zu einem festen Bestandteil der regionalen Identität geworden.
Eine Biermarke mit vielen Freunden
Auch weit über Uslar hinaus genießt Bergbräu einen ausgezeichneten Ruf. Die Marke ist im gesamten Solling und entlang der Oberweser bekannt und wird von vielen Bierliebhabern geschätzt.
Ein Beispiel dafür ist die Boffzer Bude an der Weserpromenade in Boffzen. Dort werden während der Öffnungszeiten Flaschenbiere von Bergbräu angeboten. Viele Besucher verbinden ihre Einkehr an der Promenade seit Jahren mit einem Bergbräu-Bier. Umso größer dürfte die Enttäuschung bei vielen Stammgästen über das angekündigte Aus der Brauerei sein.
Mehr als 150 Jahre Braugeschichte
Die Geschichte von Bergbräu begann bereits 1868, als Friedrich Wilhelm Haffner in Uslar die Brauerei gründete. Über Generationen entwickelte sich das Unternehmen zu einer festen Größe in Südniedersachsen.
Nach mehreren Eigentümerwechseln entstand 2013 die Bergbräu GmbH. Mit einem modernen Braustandort, einer energieeffizienten Produktionsanlage und einer klaren Ausrichtung auf handwerklich gebrautes Bier wagte das Unternehmen ab 2021 einen Neuanfang. Regionale Rohstoffe, kurze Transportwege und traditionelle Braukunst nach dem Reinheitsgebot sollten die Zukunft sichern.
Zuletzt beschäftigte die Brauerei rund zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der wirtschaftliche Druck wurde zu groß
Als Gründe für die Aufgabe des Brauereibetriebes nennt das Unternehmen vor allem die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Der Preisdruck im Biermarkt habe in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Gleichzeitig seien die Kosten für Energie, Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, Logistik und Personal erheblich gestiegen. Trotz großer Anstrengungen sei unter diesen Voraussetzungen ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich gewesen.
Auch das „Gold des Weserberglandes“ kämpft ums Überleben
Die Entwicklung in Uslar steht nicht allein. Erst vor wenigen Tagen haben sowohl die Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei Westheim GmbH als auch die Brauerei Allersheim GmbH Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Beide Unternehmen wollen sich im Rahmen des Verfahrens wirtschaftlich neu aufstellen und den Braubetrieb fortführen.
Für viele Menschen der Region ist besonders die Marke Allersheimer eng mit dem Weserbergland verbunden. Das Bier wird seit Jahren als „Gold des Weserberglandes“ beworben. Gebraut wird es allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr in Allersheim, sondern am Braustandort Westheim im Kreis Paderborn.
Als Ursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennen die Unternehmen unter anderem den seit Jahren rückläufigen Bierabsatz, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie den anhaltenden Kostendruck in der gesamten Brauwirtschaft.
Während für die Brauereien in Westheim und die Marke Allersheimer durch das Eigenverwaltungsverfahren die Hoffnung auf eine erfolgreiche Sanierung besteht, bedeutet die eingeleitete Liquidation für Bergbräu nach heutigem Stand das endgültige Ende der eigenen Brautätigkeit.
Bierabsatz sinkt seit Jahren
Die Probleme der regionalen Brauereien spiegeln einen bundesweiten Trend wider.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Bierabsatz deutscher Brauereien in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Im Jahr 2025 wurden bundesweit nur noch rund 7,8 Milliarden Liter Bier verkauft – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung Anfang der 1990er-Jahre. Gegenüber dem Jahr 2015 entspricht dies einem Rückgang von nahezu 20 Prozent.
Neben einem veränderten Konsumverhalten belasten insbesondere steigende Produktionskosten die Branche. Immer mehr Verbraucher trinken insgesamt weniger Bier oder greifen häufiger zu alkoholfreien Alternativen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Energie, Malz, Hopfen, Glasflaschen, Kronkorken und Transport.
Besonders kleinere und mittelständische Privatbrauereien verfügen häufig nicht über die finanziellen Reserven großer Brauereikonzerne und geraten dadurch zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.
Ein Stück Heimat geht verloren
Mit der Schließung von Bergbräu verschwindet nicht nur ein Arbeitgeber aus Uslar. Die Region verliert eine Marke, die über mehr als eineinhalb Jahrhunderte eng mit dem gesellschaftlichen Leben verbunden war.
Regionale Brauereien beliefern Gaststätten, Vereine, Schützenfeste und Dorfgemeinschaften. Sie schaffen Identifikation und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Gerade deshalb trifft das Ende von Bergbräu viele Menschen weit über Uslar hinaus.
Für zahlreiche Bierfreunde im Solling und an der Oberweser war Bergbräu mehr als nur ein Getränk – es war ein Stück Heimat im Glas. Die Hoffnung richtet sich nun auf die verbliebenen regionalen Brauereien, dass sie den schwierigen Strukturwandel der Branche erfolgreich bewältigen und damit ein wichtiges Stück regionaler Braukultur erhalten können.





