Weser fällt weiter – Edersee nur noch zu 13 Prozent gefüllt
Die Pegel in Bad Karlshafen und Höxter zeigen Niedrigwasser. Am Edersee wächst die Sorge um die Folgen für Tourismus und Natur.
Waldeck/Bad Karlshafen/Höxter. Die Weser führt weiterhin wenig Wasser. Am Dienstag, 29. September, um 20.15 Uhr zeigte der Pegel in Bad Karlshafen 42 Zentimeter, in Höxter waren es 54 Zentimeter. Einen Tag zuvor wurden in Höxter noch 55 Zentimeter gemessen. Die Pegelwerte geben nicht unmittelbar an, wie tief das Wasser an einer bestimmten Stelle des Flusses ist.
Auch der Edersee verliert weiter Wasser. Am Dienstagmorgen waren noch 25,95 Millionen Kubikmeter in der Talsperre gespeichert – rund 13 Prozent ihres Fassungsvermögens. Gegenüber Montagmorgen nahm der Inhalt um 140.000 Kubikmeter ab. Die Wasserabgabe bei Affoldern lag weiterhin bei drei Kubikmetern pro Sekunde.
Bis zum Absenkziel von 20 Millionen Kubikmetern fehlen noch 5,95 Millionen Kubikmeter. Wird diese Marke unterschritten, soll die Abgabe aus der Talsperre im Grundsatz auf die zufließende Wassermenge reduziert werden. Der in einer historischen Pegelübersicht als eiserner Bestand bezeichnete Wert liegt bei zehn Millionen Kubikmetern. Davon ist der Edersee noch 15,95 Millionen Kubikmeter entfernt. Zuletzt wurde diese Marke nach den veröffentlichten historischen Tiefstständen am 28. November 1963 unterschritten. Damals enthielt der See noch 9,5 Millionen Kubikmeter.
Was ein weiterer Rückgang für den Edersee bedeutet
Die Folgen beginnen nicht erst beim Erreichen einer bestimmten Marke. Schon jetzt liegen große Flächen des Seegrundes frei. Bei weiter sinkendem Wasserstand würden sich die verbleibenden Wasserflächen weiter zurückziehen. Stege und Zugänge wären noch schwerer zu nutzen; Bootsverkehr und Wassersport würden weiter eingeschränkt. Sichtbar würden zugleich weitere Reste der Dörfer und Bauwerke, die einst im Edersee versanken.
Ein sehr geringer Wasserinhalt kann auch für die Fische problematisch werden. Wie sich die Wasserqualität entwickelt, hängt unter anderem von Temperatur, Sauerstoffgehalt und der Dauer des Niedrigwassers ab. Fachliche Untersuchungen am Edersee haben gezeigt, dass Temperatur und Sauerstoffgehalt je nach Wassertiefe deutlich voneinander abweichen können. Ein Fischsterben lässt sich aus dem Füllstand allein deshalb nicht vorhersagen.
An der Weser sind die Auswirkungen bereits zu spüren. Im Hafen von Bad Karlshafen können die dort liegenden Boote derzeit nicht auf den Fluss hinaus. In der Zufahrt zwischen Weser und Hafenschleuse beträgt die Wassertiefe nach den vorliegenden Angaben nur noch 17 Zentimeter. Auch die Weserfähre in Polle ist eingeschränkt nutzbar: Sie kann derzeit nur Fahrzeuge bis zu einem Gewicht von fünf Tonnen übersetzen.
Der Edersee stützt die Oberweser schon seit Juli nicht mehr im üblichen Umfang. Solange ergiebiger Regen in den Einzugsgebieten ausbleibt, dürfte das Niedrigwasser sowohl die Region am See als auch die Schifffahrt an der Weser weiter beschäftigen.








