Widukind-Oper an der Weser – Kultur statt Netflix
Höxter. Opernklischees bleiben zu Hause: Wer am Wochenende zur Premiere der Widukind-Oper an die Weser kommt, erlebt keine steife Abendgesellschaft, sondern Geschichte am Originalschauplatz – Kultur statt Netflix. „Kein Opern-Klischee. Drama live“, verspricht ein Banner am Eingang. Und tatsächlich: Auf dem landschaftlich schönen Plateau des Huxarium Gartenparks, nur wenige Meter von jenem Ort entfernt, an dem 775 Sachsen und Franken aufeinandertrafen, erhebt sich eine große Bühne. Dort wird die Geschichte des legendären Herzogs Widukind lebendig – als Open-Air-Spektakel direkt am Fluss.
Von Enger nach Corvey – ein musikalisches Denkmal
Die Oper „Widukind“ verbindet Geschichte, Musik und Natur zu einem Gesamtkunstwerk. Entstanden während der Pandemie, feierte sie 2022 in Enger einen Publikumserfolg mit Standing Ovations. Nun kehrt sie zurück – eingebettet in das Jubiläum „1250 Jahre Westfalen“ und gefördert von der LWL-Kulturstiftung.
Dass Corvey als Aufführungsort gewählt wurde, ist mehr als Kulisse: Hier schrieb Widukind von Corvey, ein Nachfahre des Sachsenherzogs, die erste Sachsengeschichte und setzte damit seinem berühmten Vorfahren ein literarisches Denkmal.
Die Musik stammt von Komponist Thomas Lotz. Regie führt Birgit Kronshage, die zugleich das Libretto verfasst hat.
Bühne und Besetzung
Die Dimensionen sind imposant: Die Hauptbühne misst 12 mal 10 Meter, ergänzt durch eine 4 mal 14 Meter große Vorbühne. Überdimensionale Lautsprecher und leistungsstarke Scheinwerfer sorgen für bestes Open-Air-Erlebnis. Das 27-köpfige Detmolder Kammerorchester bleibt unsichtbar im Hintergrund – so stehen die Sängerinnen und Sänger im Zentrum.
Rund 50 Mitwirkende tragen die Produktion. Internationale Solisten treten gemeinsam mit regionalen Künstlern auf. In der Titelrolle ist die koreanische Sopranistin Yewon Kim zu erleben, während der US-Amerikaner Benjamin Werth Karl den Großen verkörpert. Für zusätzliche Dynamik sorgen die Breakdancer der „Last Action Heroes“ aus Bad Oeynhausen – ein bewusst gesetzter Kontrast, der starre Opernklischees aufbricht.
Kampf und Versöhnung
Die Oper dauert zwei Stunden und gliedert sich in zwei Akte.
Im ersten Teil treibt Karl der Große unerbittlich den Krieg gegen die Sachsen voran, während Widukind unermüdlich Widerstand leistet. Seine Frau Geva mahnt zur Vernunft, doch der Herzog kann den Kampf nicht loslassen. In der Gefangenschaft begegnen sich Karl und Widukind erstmals von Angesicht zu Angesicht – ein Moment, der den sächsischen Anführer verändert. Zweifel verdrängen den unbändigen Kampfeswillen. Schließlich lockt ein Angebot Karls: Frieden gegen Taufe.
Im zweiten Akt ringt Widukind mit sich selbst. Geva überzeugt ihn, dass ein Ende des Blutvergießens wichtiger ist als das Festhalten an alten Traditionen. Der Herzog akzeptiert die Bedingungen, auch wenn sein Volk darüber gespalten ist. Intrigen des Überläufers Alebrand gefährden den Frieden, doch am Ende triumphieren Respekt und Versöhnung. Die Taufe besiegelt den ersten großen Friedensschluss im Abendland – ein historischer Wendepunkt.
Geschichte am Originalschauplatz
Die „Widukind“-Oper ist mehr als Musik: Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Profis, Ehrenamtliche und regionale Partner haben ermöglicht, dass Geschichte dort erzählt wird, wo sie einst geschrieben wurde – bei Corvey – mit Blick auf den Brunsberg, wo die Schlacht stattgefunden hat.
Termine und Tickets
Die Premiere findet am Samstag, 23. August, um 19 Uhr im Huxarium Gartenpark an der Corveyer Weserscholle statt. Weitere Aufführungen folgen am 24., 30. und 31. August, jeweils um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr).
Noch gibt es Restkarten. Wer erleben möchte, wie Musik, Natur und Geschichte zu einem besonderen Sommerabend verschmelzen, sollte sich schnell Plätze sichern – Kultur statt Netflix, live an der Weser.






