Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Boffzen
Boffzen. In der evangelischen Erlöserkirche fand am Sonntag die Gedenkfeier zum Volkstrauertag statt. Rund 80 Bürgerinnen und Bürger, Vertreter von Gemeinde, Bundeswehr und Vereinen nahmen an der würdevollen Veranstaltung teil. Die Singgemeinschaft Boffzen-Fürstenberg umrahmte die Feier musikalisch und setzte bewegende Akzente.
Philip Becker erinnert an die Opfer beider Weltkriege und mahnt vor neuen Bedrohungen
Zu Beginn der Veranstaltung sprach Philip Becker, stellvertretender Gemeindedirektor von Boffzen. In seiner eindrucksvollen Ansprache erinnerte er an die rund hundert Boffzener Soldaten, die im Ersten Weltkrieg fielen und deren Namen am Ehrenmal in Stein gemeißelt sind. Ebenso viele Männer aus dem Ort verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben – auch ihr Opfer ist dort für immer festgehalten.
Becker zeichnete ein eindrückliches Bild der letzten Kriegstage des Jahres 1945, als amerikanische Truppen von Fürstenberg nach Boffzen vorrückten und die Bevölkerung Angst und Ungewissheit erlebte. Er würdigte zudem die Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, die seit 1990 in internationalen Einsätzen ihr Leben verloren haben und dankte den anwesenden Soldaten der Patenkompanie des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter für ihren Dienst.
Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mahnte Becker, wie nah der Krieg wieder an die Grenzen Europas gerückt sei. Gleichzeitig erinnerte er an die Soldatinnen und Soldaten aus Höxter und Holzminden, die bald im Rahmen der NATO-Mission in Litauen eingesetzt werden, und wünschte ihnen eine gesunde Heimkehr. Auch der anhaltende Konflikt im Nahen Osten zwischen Israel und der Hamas fand in seiner Rede einen Platz – ein weiterer Beleg, wie fragil Frieden weltweit geworden sei.
Kirsten Senftleben: „Der Volkstrauertag ist ein Tag der stillen Hoffnung“
Im Anschluss hielt Kirsten Senftleben, Lektorin der evangelischen Erlöserkirche, eine eindringliche zweite Gedenkansprache. Sie erinnerte daran, dass der Zweite Weltkrieg 2.194 Tage dauerte und unermessliches Leid verursachte. Der Volkstrauertag, so Senftleben, sei nicht nur ein Moment der Rückschau, sondern ein Tag, der Verantwortung einfordere – in der Gegenwart wie in der Zukunft.
Sie warnte eindringlich davor, Frieden als selbstverständlich hinzunehmen. Angesichts aktueller Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und in Afrika seien Jesu Worte „Selig sind, die Frieden stiften“ heute vielleicht aktueller denn je. Frieden beginne im Inneren des Menschen, müsse aber aktiv gelebt und verteidigt werden.
Senftleben rief dazu auf, wachsam zu bleiben gegenüber Hass, Gewalt und Ausgrenzung. Erinnerung sei ein notwendiger Teil dieser Verantwortung. Der Volkstrauertag sei daher kein Tag der Verzweiflung, sondern ein Tag der stillen Hoffnung und Zuversicht.
Kranzniederlegung am Ehrenmal
In einer stillen Minute gedachten alle Anwesenden der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt – gestern wie heute.
Nach den Ansprachen zogen die Teilnehmer gemeinsam zum Ehrenmal. Dort legten Bürgermeisterin Gudrun Raßmann und Philip Becker im Namen der Gemeinde einen Kranz nieder. Auch die Bundeswehr sowie die Kameradschaft ehemaliger Soldaten beteiligten sich mit Abordnungen an der Kranzniederlegung.
Gemeinsamer Abschluss mit Nationalhymne
Den feierlichen Abschluss bildete das gemeinsame Singen der Nationalhymne, begleitet von Miroslav Witte auf der Trompete. Ein Moment, der viele sichtbar bewegte und die Bedeutung des Volkstrauertages für die Gemeinde noch einmal eindrucksvoll unterstrich.






