5. Grünlandpreis in Neuhaus verliehen – Starkes Signal für nachhaltige Landwirtschaft und gelebten Naturschutz
Neuhaus. Bereits zum fünften Mal wurde heute der Grünlandpreis im Haus des Gastes in Neuhaus verliehen. Zahlreiche Gäste aus Landwirtschaft, Politik, Naturschutz und Verwaltung, darunter viele Angehörige landwirtschaftlicher Betriebe aus der Region, nahmen an der feierlichen Veranstaltung teil.
Sie würdigten damit das Engagement derer, die sich mit großem Einsatz um den Erhalt artenreicher Wiesen und Weiden im Landkreis Holzminden bemühen. Ursprünglich eingeladen war auch die Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Miriam Staudte. Da sie aufgrund einer Terminüberschreitung verhindert war, übernahm Heinrich Meyer zu Vilsdorf, Referatsleiter für Ackerbau und Grünlandwirtschaft im Ministerium, ihre Vertretung.
In seinem Redebeitrag wies Meyer zu Vilsdorf auf die besondere Bedeutung des Grünlands für Niedersachsen hin: „In unserem Bundesland gibt es rund 700.000 Hektar Grünland – eine beeindruckende Fläche, die nicht nur ökologisch wertvoll ist, sondern auch von hoher wirtschaftlicher Bedeutung.“ Er forderte eine größere gesellschaftliche Wertschätzung für landwirtschaftliche Betriebe, die sich insbesondere der extensiven Weidehaltung verschrieben haben.
Diese Betriebe leisteten einen zentralen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Pflege der Kulturlandschaft. „Kleinere Betriebe sollten von bürokratischen Auflagen entlastet werden“, so Meyer zu Vilsdorf, „aber auch größere Betriebe, gerade im Bereich der Milchtierhaltung, dürfen nicht aus dem Blick geraten – sie sind das Rückgrat unserer grünen Flächenbewirtschaftung.“ Auch im Landkreis Holzminden ist das Grünland von herausragender Bedeutung: Rund 8.000 Hektar der landwirtschaftlich genutzten Flächen bestehen hier aus Grünland.
Ein Drittel davon wird überwiegend extensiv bewirtschaftet – ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, denn auf diesen Flächen finden sich zahlreiche, zum Teil sehr seltene Pflanzenarten. Zum fünften Mal zeichnet der Landkreis Holzminden daher landwirtschaftliche Betriebe aus, die sich mit ihrer Bewirtschaftung in besonderem Maße um die Artenvielfalt verdient gemacht haben.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Landrat Michael Schünemann die Gäste mit einer Rede. Darin betonte er die besondere Bedeutung des Grünlands als Teil unserer Kulturlandschaft und als Lebensraum für zahlreiche bedrohte Arten. „Dass unsere Wiesen noch blühen, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Schünemann. „Es braucht Menschen, die sich tagtäglich dafür einsetzen, oft unter erschwerten Bedingungen. Mit diesem Preis wollen wir ihre Arbeit sichtbar machen und würdigen.“
Einen klaren Appell zur gesellschaftlichen Anerkennung der Tierhaltung formulierte anschließend Kreislandwirt Frank Kohlenberg in seinem Grußwort. „Es geht nicht ohne Tierhaltung. Die Kuh ist das nachhaltigste Produkt, das wir haben“, so Kohlenberg. „Sie frisst Gras, gibt Milch, daraus entsteht Joghurt, Käse und vieles mehr – und am Ende kann das Tier vollständig verwertet werden.“
Einen wissenschaftlichen Blick auf das Thema bot anschließend Prof. Dr. Kathrin Kiehl von der Hochschule Osnabrück in ihrem Festvortrag. Sie nahm die Zuhörenden mit auf eine Reise in die Blühvielfalt artenreicher Wiesen, erklärte ihre ökologische Bedeutung, Möglichkeiten der Nutzung und Strategien zur Wiederherstellung solcher Flächen. Ihre Ausführungen machten deutlich: Artenreiches Grünland ist nicht nur ein schützenswerter Lebensraum – es ist auch ein Indikator für ökologisches Gleichgewicht und nachhaltige Landwirtschaft.
Im Anschluss wurden die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger vorgestellt. Die Jury, bestehend aus Ina Borcherding-Stiewe vom Landvolk Weserbergland, Heike Jandt vom Landkreis Holzminden und Erika Voss von der Ökologischen Station Naturpark Solling-Vogler, stellten die landwirtschaftliche Betriebe vor, die sich in besonderer Weise für den Erhalt und die ökologische Aufwertung ihrer Grünflächen einsetzen.
Die Hauptpreise, dotiert mit je 1.000 Euro, gingen an die Familie Wilhelm Dehne aus Dölme sowie an die Familie Bartels aus Wangelnstedt. Über die Sonderpreise in Höhe von je 500 Euro konnten sich die Familie Sünnemann aus Bevern und die Familie Lumma-Freybott aus Vernawahlshausen freuen. Übergeben wurden die Preise von Birgit Czyppull von der Naturschutzstiftung des Landkreises Holzminden, die den ausgezeichneten Betrieben für ihr Engagement und ihre Vorbildfunktion im Sinne des Naturschutzes dankte.













