Biber-Spuren an der Weser bei Boffzen entdeckt
Boffzen. Frische Fraßspuren an mehreren Weiden an der Weser bei Boffzen sorgen derzeit für Aufmerksamkeit: Die typischen, sanduhrförmigen Nagespuren am Stamm gelten als eindeutiges Zeichen dafür, dass hier ein Biber aktiv war – und sie fügen sich in eine Entwicklung ein, die Fachleute seit Jahren beobachten.
Denn der Biber ist im Oberwesertal längst zurückgekehrt. Nachdem die Art in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen im 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet worden war, breitet sie sich seit einigen Jahren wieder aus. Auch im Kreis Höxter und im benachbarten Landkreis Holzminden ist der Biber nach mehr als 140 Jahren Abwesenheit wieder heimisch geworden.
Erste Hinweise gab es bereits 2013 nach einem Hochwasser der Weser zwischen Stahle und Heinsen – im Grenzbereich zwischen dem Kreis Höxter und dem Landkreis Holzminden. Zunächst wurden Fraßspuren entdeckt, später folgten Sichtbeobachtungen. In den Jahren danach verdichteten sich die Nachweise: An der Weser bei Corvey und Albaxen wurden mehrfach Biber festgestellt. 2019 konnten dort sogar zwei Tiere per Fotofalle und Filmaufnahme dokumentiert werden. Auch an den Zuflüssen Nethe und Bever sowie an der Diemel wurden inzwischen Biberpaare bestätigt.
Dass Biber inzwischen auch im unmittelbaren Umfeld von Boffzen unterwegs sind, ist keine neue Entwicklung. Bereits im Juni 2024 kam es in der Bahnhofstraße zu einem ungewöhnlichen Zwischenfall: Ein Biber überquerte in den Nachtstunden die Straße und kollidierte mit einem Auto. Das Tier wurde anschließend gesichert und über den Wildpark Neuhaus in eine Auffangstation gebracht, wo es behandelt wurde. Fachleute gingen davon aus, dass es sich um ein Jungtier auf Wanderschaft handelte, das auf der Suche nach einem eigenen Revier war. Nach seiner Genesung wurde der Biber später wieder an der Weser bei Bodenwerder ausgesetzt.
Auch auf der gegenüberliegenden Weserseite zeigt sich, wie präsent die Tiere inzwischen sind. Im Bereich Höxter-Godelheim wurden im Sommer 2024 spezielle Warnschilder aufgestellt, die Autofahrer auf querende Biber aufmerksam machen. Hintergrund waren mehrere Unfälle, bei denen Tiere zu Schaden kamen. Die Schilder gelten insbesondere für die Abend- und Nachtstunden und stehen in der Nähe der Godelheimer Seenplatte sowie am Naturschutzgebiet Taubenborn – einem wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Die jetzt entdeckten Fraßspuren bei Boffzen passen somit genau ins Bild einer sich weiter ausbreitenden Population entlang der Weser auf beiden Seiten der Landesgrenze. Biber ernähren sich ausschließlich pflanzlich und bevorzugen Weichhölzer wie Weiden und Pappeln. Vor allem im Winter wird die Rinde der Bäume abgefressen. Die charakteristische Form der Nagespuren entsteht durch die kräftigen Schneidezähne der Tiere.
Der Biber gilt als sogenannter „Landschaftsgestalter“. Durch seine Aktivitäten verändert er Gewässer und Uferbereiche und schafft neue Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig kann es – etwa durch gefällte Bäume oder Veränderungen am Ufer – auch zu Konflikten mit der Nutzung durch den Menschen kommen. Dennoch überwiegt aus Sicht von Naturschützern der positive Effekt: Die Rückkehr des Bibers wird als Zeichen für eine zunehmende ökologische Vielfalt im Wesertal gewertet.
Die aktuellen Spuren an der Weserpromenade zeigen deutlich: Der Biber hat sich auch in Boffzen wieder etabliert – meist unbemerkt, vor allem nachts, aber mit klaren Spuren am Ufer.







