Der Promenadenflohmarkt und die Eröffnungsfahrt der Flotte Weser bringen spürbar Schwung ans Wasser
Holzminden. Wenn die Flotte Weser erstmals in der Saison in Holzminden festmacht und sich entlang der ehemaligen Hafenbahngleise Händler und Besucher zwischen Trödel, Porzellan und Vinylplatten tummeln, dann verwandelt sich die Weserpromenade in eine lebendige Bühne aus Schifffahrtsromantik und Markttreiben.
Am vergangenen Samstag trotzten Hunderte Besucherinnen und Besucher dem launischen Aprilwetter, das in den Mai rüberzog – und wurden mit einem Tag voller Nostalgie, Musik und maritimer Momente belohnt.
Die Temperaturen waren frisch, hie und da nieselte es, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Bereits ab 10 Uhr schlenderten erste Schatzsucher über den Flohmarkt, wo sich über 30 private Anbieter mit liebevoll gestalteten Ständen präsentierten. Direkt an der Kaimauer, wo früher Güterzüge die Waren aufnahmen, lagen nun Porzellanfiguren, Hüte wie aus einer alten Londoner Garderobe und Retro-Spielzeug auf Decken und Tischen.
Mitten im Getümmel: die Geschwister Maximilian (13), Fabian (14) und Alina (19), die Pokémon-Spiele, Schuhe und Kleidung unter die Leute brachten. „Läuft richtig gut heute“, freute sich Maximilian, während Fabian mit einem strahlenden Lächeln einen Tauschhandel einfädelte. Ein paar Meter weiter ließ Philipp Ebhardt mit dem Spruch „Achtung, heiß und fettig!“ die Leute stehen bleiben – sein Stand eine bunte Mischung aus Technik, Trödel und Taktik. Als selbsternannter „Trödelmarktmeister“ war er mit einem Rajasthani Turban auf dem Kopf nicht zu übersehen – ein echter Hingucker mit Augenzwinkern.
Premiere feierte unterdessen Sebastian aus Höxter: „Ich bin heute das erste Mal dabei – aber bestimmt nicht das letzte!“ Seine Sammlung aus Schallplatten, DVDs und extravaganten Hüten wirkte wie das Requisitenlager eines Science-Fiction-Films. Selbst als der Regen kurzzeitig kräftiger wurde, ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen – während andere Planen zogen, hoffte er trocken auf bessere Zeiten.
Besonders schön: Kinder bis 12 Jahre durften ihre Spielsachen kostenlos auf Decken ausbreiten und wie die Großen verkaufen. So verwandelte sich der Kai stellenweise in eine fröhliche Tauschbörse für Matchbox-Autos, Puppen und Kuscheltiere.
Um 11.30 Uhr ertönte dann der erste musikalische Höhepunkt des Tages: Die Street Band Holzminden spielte auf, erst am Ufer – später an Bord. Als das Fahrgastschiff Höxter gegen 11:40 Uhr langsam von Oberstrom her um die Flussbiegung in Sichtweite der Stadt kam, stimmte die Band das passende Lied an: „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ – im beschwingten Dixieland-Stil. Ein Gänsehautmoment für viele am Ufer, der das maritime Flair unterstrich.
Drei Signaltöne – ein langgezogener, zwei kurze – kündigten an: Jetzt wird gewendet! Unter dem Jubel der Zuschauer legte der 54 Meter lange Koloss mit seiner Backbordseite souverän am Weserkai an.
Kapitän Bodo Niemeyer, 73 Jahre jung und ein Urgestein der Oberweser, hatte das Ruder fest im Griff. Seit fünf Jahren steht er auf der Brücke der Höxter, die mit ihren zwei 272-PS-Motoren das Flaggschiff der Flotte Weser ist. Kein Wunder, dass sich gleich nach dem Anlegen eine Traube ungeduldiger Passagiere an der Gangway sammelte – so sehr, dass der Kapitän persönlich von oben mit klarer Stimme für Ordnung sorgen musste.
Dann der große Moment: Kurz nach 12 Uhr löste sich das Schiff vom Kai, begleitet von lautem Jubel und schunkelnder Musik. Die erste kleine Wesertour der Saison führte Richtung Tonenburg – vorbei an gelbblühenden Rapsfeldern, Flussschleifen und dem sanften Anstieg des Sollings.
Am Ufer wurde noch lange gewunken, während das Schiff langsam in der Ferne verschwand. Zurück blieben glückliche Gesichter, volle Flohmarkttaschen und die Vorfreude auf den Sommer.
Ab Mai wird die Höxter wieder regelmäßig mittwochs und samstags in Holzminden anlegen. Und mit ihr kehren auch Musik, Bewegung und ganz viel maritimes Lebensgefühl zurück an den Weserkai.
























