Ein Fest für Pferde, Hunde und Naturfreunde zwischen Neuhaus und Silberborn
Neuhaus/Silberborn. Zum 60. Mal wurde am 19. Oktober 2025 die traditionsreiche Hubertus-Reitjagd im Solling ausgetragen – ein Ereignis, das Reiter, Jagdfreunde und Naturbegeisterte gleichermaßen begeistert. Zwischen den Sollingortschaften Neuhaus und Silberborn bot sich den Zuschauern ein eindrucksvolles Schauspiel: Pferde, Reiterinnen und Reiter in klassischer Jagdkleidung und die Niedersachsenmeute mit ihren Foxhounds verwandelten die Landschaft in eine lebendige Bühne gelebter Reittradition.
Für Jagdherr Torsten Koßmann war die diesjährige Jagd ein doppeltes Jubiläum. Seit 45 Jahren ist der passionierte Pferdesportler aktiv und führte nun bereits zum 25. Mal als Jagdherr das Feld an. „Diese Jagd ist für mich mehr als ein sportliches Ereignis – sie ist Ausdruck von Verbundenheit mit der Natur und mit den Menschen, die sie tragen“, sagte Koßmann, der die Veranstaltung seit vielen Jahren entscheidend prägt.
Bevor die Jagd begann, versammelten sich Reiter und Zuschauer auf der Wiese vor dem Pfarrhaus. Dort hielt Pastorin Andrea Maiwald die traditionelle Hubertus-Messe, bei der auch mehrere Reiter hoch zu Ross teilnahmen. Die feierliche Stimmung vor herbstlicher Kulisse stimmte die Teilnehmer auf den Tag ein.
Im Anschluss ergriff Holzmindens Bürgermeister Christian Belke das Wort. Er bedankte sich bei Jagdherr Torsten Koßmann und Casimir von Schultzendorff, dem Master der Niedersachsenmeute. „Dass diese Hubertusjagd nun schon zum 60. Mal stattfindet, zeugt von gelebter Tradition, Heimatverbundenheit und einem respektvollen Umgang zwischen Mensch und Tier“, sagte Belke. Gemeinsam mit dem Neuhäuser Ortsbürgermeister Lars Metje überreichte er Koßmann eine Erinnerungsurkunde als Zeichen der Anerkennung.
Dann übernahm Koßmann das Kommando und teilte das Feld in drei Gruppen ein, angeführt von Julia Lempken, Marcel L’honneux, Loreen Rekate, Noah Pook, Leonie und Annemarie Schrader. Das Jagdherrenfeld, in dem die erfahrensten Reiterinnen und Reiter ritten, führte Koßmann gemeinsam mit Anna-Kathrin von der Goltz an.
Nach der Auflösung des Kreisreiterverbandes hat die Stadt Holzminden die Organisation übernommen und trug damit wesentlich zum Fortbestand der Veranstaltung bei. Bereits zum dritten Mal koordinierte Alicja Wiatr die vielen Aufgaben. „Die Vorbereitung war eine große Herausforderung, aber alle haben mitgezogen – Feuerwehr, Johanniter, Tierarzt und viele freiwillige Helfer“, betonte sie. Ihr Dank galt allen, die das Gelingen dieses Traditionsereignisses ermöglichten.
Bevor das Startsignal ertönte, zeigte die Niedersachsenmeute, warum sie zu den renommiertesten Meuten Deutschlands gehört. Rund 20 Foxhounds, kräftige und ausdauernde Jagdhunde, standen ungeduldig bereit. Mit erhobenen Köpfen warteten sie auf das Hornsignal, das ihren Einsatz markierte. Die Hunde folgten keiner echten Fährte, sondern einer künstlich gelegten Anisspur – der sogenannten Schleppe. Mit dem Signal „Le Point du Jour“, geblasen vom Parforcehorncorps Hannover – Treffpunkt Fermate, setzte sich das Feld in Bewegung.
Die etwa 15 Kilometer lange Strecke führte quer durch den Solling: über Wiesen, Gräben, Baumstämme und Mauern – eine anspruchsvolle Route, die Pferd und Reiter gleichermaßen forderte. Nach einer Rast in Silberborn, bei der Pferde getränkt und Reiter versorgt wurden, ging es zurück nach Neuhaus. Dort erhielten Hunde und Reiter ihre wohlverdiente Belohnung.
Zahlreiche Zuschauer hatten sich trotz kühler Temperaturen entlang der Strecke postiert. Sie erlebten nicht nur sportliche Leistung, sondern auch das besondere Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur, das diese Veranstaltung seit Jahrzehnten prägt.
Im Vorfeld hatten sich die Reiterinnen und Reiter bei einem speziellen Reitjagdtraining, unter Leitung von Andreas Weiser, einem erfahrenen Trainer und ehemaligen Weltreiterspiel-Teilnehmer, vorbereitet. Ein besonderer Höhepunkt war der „Bürgermeistersprung“, ein massiver Eichenstamm, der auf Initiative der Ortsbürgermeister von Neuhaus und Silberborn geschaffen wurde. Dieses markante Hindernis gilt inzwischen als Symbol für Mut, Vertrauen und die enge Verbindung der Gemeinden mit ihrer Reittradition.
Rund um das Haus des Gastes herrschte währenddessen reges Treiben. Besucher nutzten die Gelegenheit, durch die Stände der Kunsthandwerker zu schlendern, die Naturprodukte, Holzarbeiten und Jagdmalereien anboten. Die Kreisjägerschaft Holzminden informierte mit einem Informationsmobil über heimische Wildtiere, was besonders bei Familien großen Anklang fand.
Auch kulinarisch blieb kein Wunsch offen: Spanferkel, Bratwurst, Räucherfisch und frische Backwaren sorgten für Stärkung und gute Stimmung. So wurde das 60. Jubiläum nicht nur zu einem sportlichen, sondern auch zu einem gesellschaftlichen Höhepunkt, der den Zusammenhalt in der Region eindrucksvoll widerspiegelte.






















